14-10-09

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August 2009

 

Stacheldraht an den Horizonten der Arbeit oder
Erfahrungen Arbeitssuchender aus Nicaragua

Matthias Scharpenberg hört oft von Misshandlungen und Entwürdigungen an Nicaragauanern die auf der Suche nach Arbeit ihr Land verlassen. Er arbeitet als Freiwilliger für den Waltroper Verein Solidaridad e.V. nahe an der Grenze Nicaraguas mit dem reicheren Land Costa Rica. Ich gehe abends oft noch auf die Straße und rede mit den Menschen, die mir begegnen. Das ist für mich eine Form um nah an den Problemen der Menschen zu arbeiten. In vielen dieser Nächte höre ich die Klagen junger Menschen, die Armut und Hoffnung dazu bringt ihr Glück in der illegalen Arbeit außerhalb ihrer Heimat zu suchen. Gestern erzählte mir einer dieser Jungen folgendes: „Ich bin 15 Jahre alt und bin im letzten Jahr aus der Primarstufe gekommen. Meine Eltern haben kein Geld um mir die Schuluniform und die nötigen Hefte und Stifte zu kaufen so beschloss ich sechs Monate zu arbeiten. Hier gibt es keine Arbeit so ging ich mit ein paar Freunden, die die gleichen Probleme hatten nach Costa Rica. Wir gingen mit 3 schwangeren Frauen und ihren Kindern über die Grenze. In diesen Stunden liefen wir bis zu den Leisten im Schlamm in den Sümpfen, die die Grenze markieren. Die Kinder weinten vor Hunger und den Stichen der Mücken. Wir mussten ihnen den Mund mit ihrer eigenen Kleidung stopfen, damit uns die Patrouillen, die mit Maschinengewehre an der Grenze marschieren, nicht hören. Doch irgendwie müssen sie uns gehört haben, denn wir hörten Schüsse und es gingen die großen Scheinwerfer an, die die Sümpfe nach uns Einwanderern absuchen. Nun musst du auf die Zeiten achten, du kannst 10 Minuten laufen und dann musst du 5 Minuten warten, weil die Scheinwerfer angeschaltet sind und umherschwenken. Wenn dich die Wachen erwischen gehst du ins Gefängnis, solange bis sie 30 Personen zusammen haben und dich abschieben. Wenn du alles überstehst, so wie wir vor einem knappen halben Jahr, beginnst du ohne Papiere zu arbeiten. Ich und meine Freunde begannen also auf den Feldern bei der Bohnenernte zu arbeiten. Zwei Monate ging alles gut und der Patron bezahlte uns pünktlich, dann jedoch sagten sie immer wieder: „Wir zahlen morgen“ 14 Tage arbeiteten wir auf diese Weise ohne Bezahlung und hatten nichts mehr zu essen. Also gingen wir zum Haus des Bauern und baten um Essen und unser Geld. Er wurde wütend und sagte er hole die Polizei, weil wir in seinem Land gar nichts zu verlangen haben. Wir flüchteten aus diesem Land, in dem man uns Nicaraguaner hasst, und kamen genauso arm nach Nicaragua zurück, wie wir gegangen waren.“  Mich hat diese Geschichte sehr nachdenklich gemacht. Ich habe auf einmal die Wut und den Zorn vieler Einwanderer in Deutschland verstanden die sich unerwünscht und unverstanden fühlen von unserem Deutschland. Der Beste Beweis ist für mich, das ich selbst diese anderen Kulturen nicht kenne, die so nah in Waltrop neben mir wohnen, obwohl ich doch in meinem Leben schon so weit gereist bin um Freunde und neue Kulturen kennen zu lernen. Ich möchte mich mit diesem Artikel von allen Freunden, die meinen Artikel verfolgt haben verabschieden. Ich lade euch ein mit mir, wenn ich ab September wieder in Deutschland bin, die Herzen offener zu halten, für die Probleme anderer.
Adios!

 

 

Juni 2009

 

Leben und Sterben im Paradies
In den Ghettos der Hauptstadt von Nicaragua ist das Leben gefährlich. Der von Solidaridad Waltrop e.V. entsendete Freiwillige Matthias Scharpenberg berichtet von den Nächten in dieser Stadt. Wenn ich Menschen auf dem Land interviewe kommt früher oder später immer ein Kommentar über die Hauptstadt ihres Landes. Wie zum Beispiel: "Aber so schlimm wie in Managua ist es nicht." "Oder aber: "In Managua werde ich nicht leben, das möge Gott von mir und meiner Familie abwenden". Dabei merkt man diese Gefahr in dieser Großstadt nicht. Es ist wie in jeder anderen Hauptstadt Zentralamerikas, Salsa und Merenguemusik mischen sich mit dem dem Lärm der Straße, den Menschen und dem Staub der unübertrefflichen Hitze. Doch nachts spürt man die Angst deutlich, die sich wie ein Schleier über die Stadt legt. So saß auch ich nachts vor vergitterten Fenstern und Türen und sah die Mitglieder der Banden um die Hauser ziehen. Die Angst vor Mord und Raub, tötet auf diese Weise das sonst so lebendige Leben der Straßengemeinschaft ab. Mich hat es anfangs sehr überrascht, das die Strasse die ich tagsüber noch entlanglaufe, bei dem Einzug der Nacht zu einem Hindernis wird, dass man ohne Schutz der eigenen Gruppe von Jugendlichen nicht passieren kann. Ich habe lange darüber nachgedacht, was Menschen in dieser Zahl zu Kriminalität treibt, denn fast jede Straße hat ihre Bande. Man könnte fast auf den Gedanken kommen das die Armut Menschen zum Verbrechen treibt. Meine Gedanken zu diesem schwierigen Thema sind folgende: Auch in Deutschland wird gerne das Bild vom faulen arbeitslosen Ausländer konstruiert, der sich am Sozialsaat bereichert. Motive für ein Verbrechen sind jedoch, den eigenen Zustand materiell oder psychisch zu verbessern. Das treibt alle: Arme und Reiche dazu Verbrechen zu begehen. Der Arme greift, dabei zur offensichtlichen Gewalt mit weniger getarnten Mitteln, dem Reichen stehen eine Vielzahl von Wegen in Form von ungerechten Lohnverträgen oder dem Missbrauch von Geldern des Staates zur Verfügung. Doch Arm und Reich, Nicaragua und Deutschland, Fiat und Ferrari- Fahrer trennen sich nicht nur in der Art der Verbrechen. Eine Teilung findet auch direkt in den Städten selbst statt. Schlimmer als die offensichtliche und strukturelle Gewalt, die ich tagtäglich gesehen habe, war die erste Begegnung von der Mauer zwischen Arm und Reich. Es war für mich zu erst unbegreiflich: Hat man genug Geld kann man sich mit seinen Liebsten in eine reiche Nachbarschaft kaufen, die von den Armen durch eine Mauer getrennt ist. Zwei Meter hohe Barrikaden und ein Wachdienst, der Niemanden durch ein großes Tor lässt. Die Kinder dieser glücklichen Gemeinschaft, werden morgens mit Privatbussen abgeholt und zu den entlegenen Privatschulen gefahren. Man kommt auch in der Schule nicht mit Kindern anderer Schichten in Kontakt. Diese geschlossenen Gemeinschaften haben Internet, fließend Wasser und durchgehend Strom. Auf der anderen Seite der Mauer wird mit Holz auf einem Lehmofen gekocht und das Regenwasser in Eimern vom Wellblechdach aufgefangen. Die Begründung lautet, dass man sich vor Kriminalität (der Armen) durch Kameras, Wachdienste und Mauern schützen muss. Sie teilt immer mehr Menschen in Arm und Reich. Die Kriminalität und Armut wird hier als ein Faktor verstanden, dem gegenüber man sich abgrenzt, ohne ihn als veränderbar zu begreifen. Ich bin froh in einem anderen Projekt zu arbeiten in dem Jugendliche und Kinder nicht hinter der Mauer verbannt bleiben. Ich denke ich habe mit meiner Arbeit in Mal-, Schreib-, Tanz- und Theaterkursen und vielem mehr dazu beigetragen, dass diese meine Freunde wissen, dass sie ebensoviel wert sind, wie die Kinder auf der anderen Seite der Mauer. Sie haben Mut die Welt mit ihren Worten und Taten zu verändern. Sie lernen in ihrer Gruppe das die Suche nach Glück, erst damit endet, dass die Gemeinschaft glücklich ist und man sich damit zufrieden gibt!

 

 

 

Mai 2009

Die Ohnmacht der Kinder
Die Kinder dieser Welt werden die Zukunft gestalten, doch oft werden ihre Rechte und Gefühle verletzt. Für Matthias Scharpenberg, der in Kinder- und Jugendprojekten in Nicaragua für den Verein Solidaridad e.V. Waltrop arbeitet, wird das im Umgang mit den Kindern sehr deutlich. Ich muss immer lachen, wenn ich in den Nachrichten die besorgten Stimmen über die Wirtschaftskrise höre. Ich weiß, manche halten mich deshalb für verantwortungslos. Das Problem der Wirtschaftskrise belastet mich in meiner Arbeit in Nicaragua nicht so sehr wie das, was ich täglich erlebe und beobachte. Dadurch wird für mich die ungerechte Verteilung von Reichtum spürbar und bedrückend und ich denke oft darüber nach, dass ich mit meiner finanziellen Unterstützung, die ich bekomme, zu den Reichen in Nicaragua und der ganzen Welt gehöre – wie Sie auch. Nachdem was ich in Nicaragua sehe, gibt es in diesem Land zwar viele junge Menschen, doch fast keine Kinder! Kinder verhalten sich in diesem Land schon wie Erwachsene. Wie kommt es, dass ich die Kinder am Anfang meines Freiwilligendienstes oft 3 oder 4 Jahre älter geschätzt habe, als sie in Wahrheit sind? Sie wirkten auf mich so erwachsen, so reif und trugen oft den Geschichtsausdruck der Sorge und der Bedrücktheit. Ich erfuhr erst im Laufe meines Lebens dort, warum sie im Alter von 12 Jahren schon Menschen mit hoher Verantwortung sind. Ich erfahre es jeden Tag, wenn ich von meiner Familie zum Markt fahre. Kinder betteln im Bus. Ein kleines Kind verkauft am Busbahnhof Kaugummis: 2 Packungen Kaugummi für 5 Córdobas, das sind 20 Cent. Jungen arbeiten oft als Schuhputzer von morgens 6 bis abends 6. 12 Stunden, wie die Großen und gehen entweder gar nicht zur Schule oder in die Sonntagsschule. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Familie. Denn mit ihrem Verdienst tragen sie zum Haushaltseinkommen bei. Dies ist die ERKENNBARE und für jedermann sichtbare Form der Kindesmisshandlungen in diesem Land, die auch jeder Tourist wahrnehmen kann. Diese geballte Form von Kinderarbeit, wie in Nicaragua, sieht man zum Glück – auch in Zeiten der Wirtschaftskrise – nicht auf deutschen Strassen. Der andere Teil des Prozesses, der Kindern das Kindsein raubt, findet vielfach in den Familien statt. Dies erfahre ich, wenn ich während und nach meinen Kunsthandwerk - Kursen mit Kindern spreche. Sie laden in unseren Gesprächen die Last ab, für die ihr kleines Herz langsam zu klein wird. Sie reden von dem trinkenden Vater und sie erzählen von den Schlägen der Eltern. Auf der Strasse kommt es oft vor, dass sie die erlebte häusliche Gewalt nachspielen bzw. gegenüber kleineren Kindern gewalttätig werden. Einige berichten auch sehr zaghaft von der sexuellen Gewalt, die sie in den engen Häusern erleben, in denen sie mit ihrer großen Familie leben. . Das alles beschäftigt mich sehr und ich mache mir Sorgen darüber; denn ich habe durch das Lesen von einigen Büchern von Alice Miller gelernt:  „Das misshandelte, angeblich „böse Kind“ wird zum bösen Erwachsenen und schafft später eine böse Welt [...]. Das geachtete Kind wird eine andere Welt schaffen, denn unser biologischer Auftrag heißt, menschliches Leben zu beschützen und es nicht zu zerstören“ Alice Miller, Buchrückseite von „Das verbannte Wissen“ Ich verstehe das so, dass Kinder schlechtes destruktives Verhalten später reproduzieren, wenn sie nicht erkennen, dass es falsch war, was ihre Eltern ihnen angetan haben. Doch, wie können Kinder, dies erkennen? Sind für uns unsere Eltern bis zu einem gewissen Alter nicht immer unfehlbar? Das Beste wäre, wenn es keine Eltern mehr gäbe, die ihre Kinder schlagen, ihnen keine Gesetze mehr aufzwingen, ohne diese vorher zu erklären. Eigentlich wäre, dass doch normal in einer Demokratie in der jeder Mensch dieses Recht besitzt – oder sind Kinder keine Menschen?

 

 

08.02.2009 aus Managua


Der Junge im Bus
Was bedeutet „Hilfe“ und was passiert in uns, wenn wir sie verweigern? Diesen Fragen geht Matthias Scharpenberg nach. Er arbeitet im Auftrag des Städtepartnerschaftsvereins Solidaridad e.V. Waltrop in Nicaragua.

Was ist der Bus in Nicaragua? Ein Mikrokosmos in sich!
Ein Mikrokosmos des Lebens in diesem Land in dem sonst keine anderen Verkehrsmittel für die arme Bevölkerung existieren - außer Pferde, Ochsen und Pferdewagen. An diesem Ort fand meine Begegnung heute morgen statt. Doch zuerst etwas über dieses außergewöhnliche Verkehrsmittel:
Als ich in Nicaragua ankam wusste ich nicht, was es war, doch diese Busse haben mich angezogen, seit ich zum ersten Mal meinen Fuß auf die hohe Metallschwelle setzte, die für Alte und Kranke viel zu hoch angesetzt ist. Du musst dir den Bus so vorstellen: Ein nicaraguanischer Bus ist das Wohnzimmer des Busfahrers und seine Seele. Der Bus wird geschmückt mit allen Farben des Regenbogens , denn der Busfahrer muss sich darin wohlfühlen. Der Busfahrer - ist er ein guter Mensch - wartet auf dich beim Einsteigen oder du musst in den fahrenden Bus springen. Alle Busse nehmen das gleiche Geld für eine Fahrt innerhalb der Hauptstadt von Nicaragua: 2,50 Cordoba (ca. 10 Cent) - egal wie kurz oder lang sie ist. Dieser Preis wird von der Stadtverwaltung subventioniert, weil sich sonst viele Menschen den täglichen Weg zur Arbeit nicht leisten könnten. Die vielen Jesusbilder, Marienstatuen und Bibelpassagen die fast alle Busse schmücken bieten ein gutes Ambiente für alles, was in diesem Land Hilfe sucht und Hilfe anbietet.
Genau in so einem Bus treffe ich einen Jungen von 10 Jahren. Er hat schmutzige Kleider an, als er einsteigt, aber das hat hier fast jeder. Jetzt beginnt das Ungewöhnliche: Er versucht sich nicht einen Platz inmitten des schaukelnden Busses zu suchen, sondern beginnt den Menschen seine Geschichte zu erzählen, dass er ein Dieb war und nun nicht mehr stiehlt, er muss mit für das Essen seiner Familie sorgen, weil sein Vater seine Mutter verlassen hat und sonst nur seine Mutter für die fünfköpfige Familie sorgt. Einige Leute glauben ihm, weil er einen vertrauenerweckenden und wirklich authentisch armseligen Eindruck macht. Jetzt kommt er auf mich zu. Er hofft, weil ich Weißer bin vielleicht auf ein bisschen mehr Geld, als 4 oder 10 Cent. Er erhebt seine schwarzen Augen für einen kurzen Augenblick bevor er sie wieder demütig senkt, um mir seine Geschichte zu erzählen. Doch bevor er angesetzt hat ersticke ich seine Stimme und seine Hoffnung mit einer abweisenden Handbewegung. Ich sehe nun weg um ihn nicht mehr sehen zu müssen.
Doch gleichzeitig findet in mir mein Herz an zu bluten. Stärker, wie noch nie. Selbst stärker, als ich, als kleiner Junge das erste Mal einen Bettler wahrgenommen habe und mit meiner Familie einfach weitergegangen bin. Ich hasse diese Situation, in der ich immer wieder abwäge, braucht dieser Mensch das Geld wirklich oder was macht er mit dem Geld, was ich ihm gebe. Dabei ist das Gegenüber für mich kein Mensch mehr sondern ich behandele ihn wie eine Geldanlage oder einen Investitionsfond. Doch seid dieser Begegnung weis ich, das dies das Gift ist, was Menschen trennt. Wer kann schon die Geschichten zählen, die dazu führen, das jemand bettelt? Sie sind so vielfältig und individuell wie unsere eigenen Geschichten auch wenn wir glauben, dass es fast nur eine Gruppe aus Säufern Drogenabhängigen und Dieben ist, die uns auf der Strasse anbettelt. Nie kannst du dir die Frage nach dem Nutzen deines Geldes beantworten.
Doch ist dieser Nutzen, eine Frage, wenn du wirklich hilfsbereit bist? Hilfe baut auf Solidarität, Einfühlungsvermögen und uneigennützigem Handeln auf! Dein Euro oder was auch immer macht dich nicht ärmer, wenn du ihn einem Menschen gibst, der genauso wertvoll wie du veranlagt auf diese Welt geboren wurde. Nur Umstände, die du niemals erfahren kannst ohne dich ihm zu nähern, haben ihn dazu gebracht nun vor dir zu liegen oder zu sitzen.
Alles ist Hilfe oder Nicht-Hilfe in unserem Leben. Unsere Eltern helfen uns ohne zu fragen, wer wir sind in den ersten Jahren und oft auch danach egal wie weit wir uns von ihnen entfernen. Die Liebe verbindet sie.
Hilfe, Einfühlungsvermögen, Solidarität und Liebe entscheidet auch darüber ob ein Kohlekraftwerk vor deiner Haustür gebaut werden kann oder ob Menschen auf Kosten anderer Leben können.
 


20.11.2008 aus San Miguelito

Wie fühlt man sich, wenn man plötzlich reich ist?

Matthias Scharpenberg, als Freiwilliger in Nicaragua stellt fest: Die Partnerschaft Waltrop - San Miguelito verbindet nicht nur zwei Städte über eine große Distanz, sondern auch reiche und arme Menschen.

 

„Endlich bin ich angekommen“, denke ich mir immer wieder, wenn ich mit Freunden zum Fischen fahre, mit den Kindern zusammen zur Schule gehe oder einfach nur von Leuten auf der Straße mit einem freundlichen „Adios“ gegrüßt werde. Diese Ankunft führt mir jedoch auch in immer neuen Situationen Probleme und Schicksale in diesem Land vor Augen.

In der Samstagsschule, für Kinder, die unter der Woche arbeiten müssen, beobachtete ich die Stunde zum Thema „Entdeckung Mittelamerikas durch Christopher Kolumbus und Kolonisation“. Einige Schüler fragten sich, warum sie dieses Thema behandeln müssten, sie hatten, glaube ich, einfach keine Lust auf das Unterrichtsfach Geschichte. Die Lehrerin ging jedoch auf die Kommentare ein, indem sie sagte, dass seit der Entdeckung Mittelamerikas durch Europa, die Zivilisation in Nicaragua begonnen habe. Sofort schnappte ich wütende und resignierende Bemerkung in der Klasse auf. „Wir sind doch in deren Augen Primaten“, ist der Kommentar gewesen, der sich sofort in mein Herz einbrannte. Ich fühlte mich ertappt und angeklagt als Teil dieses Europas, das einmal existierte und mit diesem Menschenbild hier tötete. Aber ebenso – und das war bei weitem schlimmer – als Teil eines Europas, das den Reichtum auch heute noch auf dem Leid und der Armut dieser Menschen aufbaut.

Ich fühlte mich veranlasst aufzustehen und Stellung zu beziehen. Ich, der ich als einfacher Student jeden Tag in diesem Land in einem Hotel wohnen, eigentlich im Winter Skifahren gehe, anstatt hier zu sitzen, und locker ein bis zwei Häuser in Nicaragua mein Eigen nennen könnte. Ich musste Stellung beziehen unter Schülern, die, ab dem zehnten Lebensjahr, als vollwertige Arbeitskräfte, mit auf dem Feld halfen oder nachts mit ihren Vätern zum Fischen fuhren, die also jeden Tag in der Woche arbeiten mussten, um das nötige Essen kaufen zu können Gallo Pinto, Reis und Bohnen – morgens, mittags und abends. Sie arbeiten genauso lange und hart,  wie ihre Brüder und Schwestern in Deutschland und sitzen trotzdem in zerschlissenen Kleidern um mich herum.

Ich stand also auf.

Ich entschuldigte mich für das Leid, welches Europa den Vorfahren dieser jungen Menschen antat, für die Ungerechtigkeit, die auch heute noch auf diesem Planeten existiert, die jedoch auch der Grund dafür ist, dass ich unter ihnen bin. Die Städtepartnerschaft und ich sind ein Teil der Menschen aus Deutschland, die  Solidarität zeigen und diese Ungerechtigkeit beseitigen wollen. Als dies gesagt war, war es einen kleinen Moment still in der Klasse. Nach der Stunde kamen viele Schüler auf mich zu und fragten, wie das Leben in Deutschland aussehe.

Mir faellt ein, in Deutschland bereitet sich alles auf Weihnachten vor und man wird dieses Fest am 24.12. mit den Liebsten begehen. Mir fällt es schwer so weit weg von zu Hause und unter tropischer Hitze Weihnachten mit Geschenken zu feiern. Doch was ist Weihnachten?

Warum öffnet es nur einmal im Jahr die Herzen der Menschen?

 

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